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+ Naturbelassene Lyrik: Ody

Kerstin Krämer - Journalistin und Fotografin | Saarbrücken
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Tags: PorträtLiteraturLyrikSZFeuilleton

Ody alias Gregor Köhne - ein Porträt

Saarbrücken. Drei Mal hintereinander hat er den Wilhelm-Busch-Preis eingeheimst, danach den Jokers Lyrikpreis in der Kategorie Humor. Nun hat er seinen Dichterlorbeeren noch eine fünfte Auszeichnung hinzugefügt: Im Februar setzte sich Gregor Köhne, besser bekannt unter dem Künstlernamen Ody vam Bruok, gegen mehr als 1200 Mitbewerber aus ganz Europa durch und gewann den Meerbuscher Literaturpreis 2014.

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Aber wer ist dieser Ody eigentlich? Köhne stammt aus Solingen, wohnte in Köln und Berlin und lebt seit fast zehn Jahren in Saarbrücken. Ein breites Publikum schätzt ihn als Autor fabelhaft schwarzhumoriger und pointenreicher Gedichte oder wunderbar feinfühliger Liebeslyrik, nachzulesen etwa in seinem Buch „Querbeet" oder live zu hören als „GedichtsMassage". Besucher des Theaterschiffs Maria-Helena kennen ihn als Autor durchweg gereimter Theaterstücke wie „Odys Romeo und Giulia" oder als Urheber und Mitstreiter musikalisch-literarischer Bühnenprogramme, so der Späße des „HühnchenTrios" oder der Revue „Reim & Raus" mit Barbara Dunkel und Wolf Giloi. „Ich trete nicht gern allein auf", sagt Ody, „lieber hole ich mir Leute mit ins Boot."

Die Maria-Helena ist für ihn eine Art Mutterschiff, weil Admiralsintendant Frank Lion der erste war, der ihm im Saarland eine Bühne bereitete – entdeckt hat Lion ihn 2008, als Köhne bei seiner „Pin-Up-Poetry" am Staden Gedichte an Bäume pinnte. Wie soll man aber auch mit Lyrik auf sich aufmerksam machen? Diese Frage treibt Köhne fortwährend um. Seine Texte in freier Natur an Baumes Borke zu heften, lag nahe: Erstens ist Köhne „ein einfacher Junge vom Land", zweitens ist er Gärtner und studierter Gartenarchitekt. Zu seinem 50. Geburtstag vor drei Jahren hat er sich nun seine dritte abgeschlossene Berufsausbildung gegönnt und unterrichtet seither als Berufsschullehrer, Schwerpunkt Agrarwirtschaft. „Das hält einen flott im Kopp", erklärt er.

Zum Dichten kam er, als er in den 1990-ern
[image:image-3]Texte für Musicals schrieb, die in Berlin und am Hamburger Schmidts Tivoli aufgeführt wurden. Mit dem intellektuell abgehobenen Literaturbetrieb und elitärem Kunstverständnis hat Köhne nichts an der Mütze: „Ich tue mich ganz schwer damit, mich als Künstler zu bezeichnen." Lieber nennt er sich einen Volksdichter. „Die Leute sollen sich mit ihren Emotionen in meinen Texten wiederfinden. Das funktioniert quer durch alle Schichten." An Wilhelm Busch, Heinz Erhardt und Konsorten, als deren Nachfolger er gerne gehandelt wird, schätzt Köhne daher neben ihrer Zeitlosigkeit auch ihre Bodenhaftung: „Die vermitteln Dinge, die man verstehen kann. Und diese Mischung aus Tragik und Humor mag ich total gerne."

Dank einer tragikomischen Haltung hat er sich auch mit dem Älterwerden abgefunden. Bestes Beispiel: Beim Meerbuscher Literaturpreis ging es um das Thema Glück. Und was reichte Köhne dazu ein? Das Gedicht „Entsaftet", in dem sich eine einst pralle Traube, zur Rosine geschrumpelt, über ihren überzuckerten Lebensabend freut. Typisch Ody. kek

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