+ Da hilft nur noch der liebe Gott - Blog - Kerstin Krämer - Journalistin und Fotografin | Saarbrücken

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+ Da hilft nur noch der liebe Gott

Kerstin Krämer - Journalistin und Fotografin | Saarbrücken
Herausgegeben von in Premierenvorbericht ·
Tags: PremierenvorberichtSZFeuilletonTheaterSchauspiel

Aus dem SZ-Textarchiv gegraben - ja, auch Pemierenvorberichte durften damals noch etwas größer sein. Erschienen am 21. Februar 2002

... denkt sich zumindest Josh in „Wunderzeiten“ – Premiere am Samstag im Saarbrücker Theater Überzwerg
Was tun, wenn alles nervt und auch in Liebesdingen nichts nach Plan läuft? Na, vielleicht kann ja Gott helfen. Ob's funktioniert, ist von Samstag an in Kim Fupz Aakesons Stück „Wunderzeiten“ zu erfahren.

Saarbrücken. „Lieber Gott!“ Oder besser „Hallo Gott“? Oder doch schlicht „Tag, Gott“? Wie betet man eigentlich korrekt? Josh probiert es einfach mal auf seine Art, und tatsächlich: Gott meldet sich. Und Josh erzählt ihm von seinem Frust. Vom Vater, der vor ein paar Jahren gestorben ist. Von der Mutter, einer ewig besorgten Schreckschraube im Hilde-Becker-Outfit, die ihm mit ihren sauertöpfischen Vorsichtspredigten in den Ohren liegt. Vom ätzenden Lehrer, der seine Überlegenheit raushängen lässt und Josh immer als seinen Lieblingsblödmann bezeichnet. Davon, dass bei ihm immer noch keine Haare auf der tieferen Etage sprießen wollen, sondern nur die Pickel im Gesicht. Die dafür aber reichlich. Und er erzählt Gott von der tollen Anna, in die er fürchterlich verknallt ist. Aber leider auch sein bester Freund Martin. Alles Mist. Höchste Zeit für Wunder!

„Wunderzeiten“, die neueste Produktion des Kinder- und Jugendtheaters Überzwerg, ist ein modernes Märchen, in dem das Unmögliche möglich wird. Premiere ist am Samstag, und dann darf geschmunzelt werden: Denn mit den haarsträubenden Folgen seines Gebets hat Josh nicht gerechnet. Seine Wünsche gehen zwar in Erfüllung, doch daran sind Bedingungen geknüpft. Verflixt, schon wieder „Wenn, dann ...“ – spielt auch der Himmel blöde Erziehungsspiele? Nun, ein pädagogischer Lerneffekt setzt tatsächlich ein, doch den hat Josh sich mit den Konsequenzen seines Handelns selbst eingebrockt. Und genau das und eine gehörige Portion Komik, die garantiert auch Erwachsene herzhaft lachen lässt, nehmen dem Stück des mehrfach ausgezeichneten dänischen Autors Kim Fupz Aakeson den Zeigefinger.

Und die Überzwerge wären nicht überzwerg, wenn sie nicht den bösen Zeigefinger durch einen ganz anderen schlimmen Finger ersetzt und auch sonst wieder köstliche Gags eingebaut hätten. Unter anderem hat Frank Lichtenberg ein Bühnenbild entworfen, in dem allein schon die Wände Bände sprechen: Eine Art tapeziertes Schamhaar, Papier gewordene Phallussymbolik, erzählt eine Geschichte zwischen Einigeln und Fühler-Ausstrecken; der Punchingball aus Kuscheltieren, an dem Josh seinen Frust abreagiert, scheint dabei genau über der Schwelle zum Erwachsenwerden zu hängen. Durchboxen? „Ja, Josh schafft es allein“, meint auch Regisseur Bob Ziegenbalg.

Dafür, dass auf dem Spielplan der Überzwerge auffällig oft Stücke aus dem skandivanischen Raum oder Dänemark auftauchen, nennt er gute Gründe: „In Schweden etwa bekommt ein Autor für Kindertheater genau so viele Tantiemen wie für Erwachsenentheater“ – in Deutschland gerade mal die Hälfte. Von jeher sei das dort gleichgestellt, und auch die pädagogische Tradition spiele eine Rolle: „Dort ist Theater fester Bestandteil der Schule; es ist eine Selbstverständlichkeit, Aufführungen zu besuchen.“ Aber allmählich bessere sich die Situation auch hierzulande, freut sich Ziegenbalg, der seit Anfang der 90er mit Übernahme der künstlerischen Leitung bei Überzwerg über Patenklassen und Jugendklubs den Kontakt zu Kindergärten und Schulen weiter ausbaut. Mit Erfolg: Die sechste Klasse der Erweiterten Realschule Schwalbach war am Mittwochmorgen nach der Hauptprobe zu „Wunderzeiten“ eifrig mit Theaterpädagogin Elke Domaratius ins Gespräch vertieft.
kek

- "Wunderzeiten“ (ab 12 Jahren). Premiere: Samstag, 23. Februar, 19.30 Uhr; wieder: Donnerstag, 28. Februar, 10 Uhr (beide ausverkauft). Informationen und Karten unter Tel. (0681) 854021.




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