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		<title><![CDATA[Blog]]></title>
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		<description><![CDATA[Blog der kleinen Texterei | Kerstin Krämer - Texte und Fotos]]></description>
		<language>DE</language>
		<lastBuildDate>Fri, 08 Sep 2017 14:09:00 +0200</lastBuildDate>
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			<title><![CDATA[+ 32. St. Ingberter Pfanne - Woche der Kleinkunst | 2. bis 8. September 2017]]></title>
			<author><![CDATA[kek]]></author>
			<category domain="https://www.diekleinetexterei.de/blog/index.php?category=Rezension"><![CDATA[Rezension]]></category>
			<category>imblog</category>
			<description><![CDATA[<div id="imBlogPost_7q4elf0f"><div class="imTAJustify"><span class="ff1"><span class=""><i><span class="fs10lh1-5"><span class="cb1">Aus der laufenden Berichterstattung (4. bis 8. September 2017) für das Feuilleton der Saarbrücker Zeitung</span><br></span><br><b><span class="fs12lh1-5"><a href="https://www.diekleinetexterei.de/32.-pfanne-igb.html" target="_blank" class="imCssLink">FOTOGALERIE</a></span></b><br></i></span></span><b><br></b><div class="imTALeft"><span class="fs11lh1-5 ff1"><b>1. Tag &nbsp;</b></span><span class="imTAJustify fs10lh1-5"><img src="https://vg08.met.vgwort.de/na/a4fb16e9e7ca4d499c50d3cd2e7fb95e" width="1" height="1" alt=""></span></div><div><div class="imTALeft"><span class="fs11lh1-5 ff1">Kannen statt Pfannen, furchtbare Zusammenarbeiten statt fruchtbarer – und ist es nun die 32. oder doch schon die 33. St. Ingberter Pfanne? Oberbürgermeister Hans Wagner brachte in seinem pfanntastischen Grußwort so viel unfreiwillige Komik unter, dass man ins Grübeln kam, ob er hier nicht ebenfalls einen Kabarettbeitrag ablieferte - außerhalb des Wettbewerbs, versteht sich. Und weil Kultusminister Ulrich Commerçon launig in die gleiche Kerbe haute, hatte der Semantikakrobat Philipp Scharrenberg hinterher die Aufgabe, alle diese Ungereimtheiten mit umso wohler gereimten Worten auszubügeln: Bekanntlich ist Scharrenbergs Moderation alle Jahre wieder im wahrsten Sinne des Wortes ein Gedicht. </span></div><div class="imTALeft"><span class="fs11lh1-5 ff1">Um das Chaos zu lichten: Es ist die 33. Woche der Kleinkunst, aber die 32. St. Ingberter Pfanne, die am Samstag in der Stadthalle St. Ingbert eröffnet wurde. Wieder werden nach vier Wettbewerbsabenden insgesamt vier Pfannen, dotiert mit je 4000 Euro, als Preise verliehen – das Prozedere arbeitete Scharrenberg, durch „Rücken“ und „Frosch im Hals“ diesmal leicht angekränkelt, im Publikums-Quiz heraus. Bei ihrem Votum dürften es Fach- und Jugendjury sowie Publikum erneut schwer haben, angesichts der zwölf unterschiedlichen Kleinkunst-Gerichte, die auch in diesem Jahr wieder in der Pfanne brutzeln. </span></div><div class="imTALeft"><span class="fs11lh1-5 ff1">Allein der Auftakt bündelte polarisierende Standup Comedy, vergleichsweise harmloses politisches Kabarett und furiose „Flaschenmusik“ - und er begann mit Buh-Rufen. Einigen Zuschauern war Helmuth Steierwalds selbstironische Nabelschau tatsächlich „Entschieden zu hart“, so der Name seines Programms. Steierwald, mit bürgerlichem Namen Emir Puyan Taghikani, ist iranisch-türkischer Abstammung, er hat eine wunderbar sonore Stimme und eine klare Botschaft: Steierwald plädiert für die Befreiung von Rollenzuschreibungen, die von außen an einen heran getragen werden. Auslöser für viele Vorurteile, mit denen er es zu tun kriegt, ist seine orientalisch anmutende robuste Virilität, die er hier zum Dreh- und Angelpunkt seiner schonungslosen Selbstbespiegelung machte. Dabei punktete der fränkische Berserker mit vitaler Präsenz wie rhetorischer Brillanz (als geschulter Poetry Slammer spuckt er stringent fließende Satzkaskaden aus) und provozierte zugleich mit derb-expliziten Inhalten. </span></div><div class="imTALeft"><span class="fs11lh1-5 ff1">Weitaus stubenreiner als diese gutbürgerlich-asoziale Ethno-Comedy gestaltete sich danach Eric Lehmanns Kampf des Kleinen Mannes. Lehmann, Mitglied des Dresdener Kabaretttheaters „Herkuleskeule“, sucht sich seine Rollen selbst aus. So schlüpfte er in die niedliche Haut des sächselnden Kleingärtners und Frauenverstehers Uwe Wallisch, der im Schrebergarten bedingungslose Willkommenskultur pflegt und auf Ebay-Kleinanzeigen mit der Dummheit seiner Mitbürger wie seiner eigenen konfrontiert wird. Oder in die des bajuwarisch grantelnden Försters Schorsch, der es auf dem Outdoor-Spielplatz Wald mit überbehütenden spätgebärenden Helikopter-Mamis zu tun kriegt. Da war befreites Auflachen angesagt – wirklich bissig wurde Lehmann erst, als er sich zynisch des Pflege-Wahnsinns im Gesundheitsunwesen annahm. <br>Stakkato-Applaus und Zugabeforderungen erntete schließlich das phänomenale GlasBlasSing Quintett, TV-bekannt und alles andere als ein Newcomer. Kreatives Upcycling lautet die Devise des nicht nur oral versierten Fünfers, der bei seinem Blow Job der besonderen Art a-cappella-Gesang, Flaschen-Blasen, daumengeploppte Stubbi-Klänge und Pullen-Percussion kombiniert. Ob Xylophon aus Flachmännern, Pauken aus Wasserspendern oder zischende Drucksprüher: Kindlich alberne Spiellust, originelle Texte, handwerkliche Perfektion und stimmige Choreografie ergeben ein ebenso verblüffendes wie unwiderstehliches musikalisch-komisches Gesamtpaket, das im Pop- und Klassik-Universum neue Welten eröffnet – unerhört gut.<br><br><b>2. Tag</b></span><span class="fs10lh1-5"> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</span><div><span class="fs11lh1-5 ff1">„Buh-Rufe? Leute, das gibt’s hier nicht!“ ermahnte Moderator Philipp Scharrenberg das Publikum am Sonntag. Er bezog sich damit auf den Vortag, als der Auftritt von Helmuth Steierwald derlei Unmutsbekundungen provoziert hatte. Als Alternativen despektierlicher Meinungsäußerung illustrierte Scharrenberg verschiedene Formen des demonstrativen Nicht-Klatschens, wovon jedoch am zweiten Abend des Kleinkunstfestivals St. Ingberter Pfanne niemand Gebrauch machte. Im Gegenteil: Da ernteten alle drei Wettbewerber beherzten Zwischenapplaus, ja sogar Bravo-Rufe. <br>Auf eine „Kreuzfahrt für Seekranke“ nahm Martin Herrmann die Zuschauer mit. Der Kabarettist und Liedermacher, Ex-Redakteur der Satirezeitschrift „Pardon“, ist ein Urgestein der Pfanne: Vor genau 30 Jahren gewann Herrmann die Auszeichnung schon einmal. Formal ist er sich, „unter Reimzwang“ stehend, treu geblieben und kredenzt lustvoll boshafte Lieder (zur akustischen Gitarre) und Texte im Wechsel. Dabei navigiert mit hintersinniger Häme von Thema zu Thema, ohne dass einem schwindlig wird, und steuert gelassen durch diverse gesellschaftspolitische Gewässer: Ganz subtil kriegt Herrmann Streikkultur, (Schwulen-)Ehe, Apothekenumschau, Mode, Zölibat oder die Pille für den Mann auf einen Dampfer – mit hohem Erkenntnisgenuss für seine Passagiere, die ihm gebannt an den Lippen hängen. Und selbst wenn er einen Eierschneider zur tibetanischen Taschenharfe adelt, dient das der spirituellen Bewusstseinserweiterung. </span></div><div><span class="fs11lh1-5 ff1">Ungefähr die dreifache Menge an Energie und Tempo kam danach mit Podewitz auf die Bühne, auch wenn sich das Brüderpaar mit einem allzu ausgedehnten „Mystery Special“ über Fake News aus der Pausen-Forschung zum Schluss ein wenig selbst den Wind aus den Segeln nahm. Fiktive Reportagen, feierliche Vorträge und irritierende Dialoge: Mit Anarcho-Humor, Quasselorgien, raschen Szenenwechseln und atemlosen Sprachspielereien können Willi und Peter Podewitz durchaus als abgespeckte deutsche Antwort auf Monty Python durchgehen. Wobei im aktuellen Programm „selten dämlich“ der eine den Part des solistischen An- und Aufheizers übernimmt und der andere den bräsigen Antipoden gibt. Nonsens? Nicht immer: In den besten Momenten gelingt Podewitz gut getarntes politisches Kabarett, bei dem hier vor allem die mediale Berichterstattung gewaltig eins vor den Bug kriegte. </span></div><div><span class="fs11lh1-5 ff1">Mit einer gehörigen Portion Welpencharme und ansteckender Spiellust bezirzte zum musikalischen Abschluss das junge Berliner Quartett „Tonträger“. Die vier Jungs machen szenisch aufbereiteten, stilistisch flexiblen und ohrwürmigen Deutschpop mit pointenreichen, selbstironischen Texten, gefälligen Arrangements und gutem Lead- sowie Chorgesang, wobei sich Wort und Musik oft ironisch konterkarieren. Das wäre auch ohne die obligatorische Mitmach-Animation gut angekommen.</span></div><div><br></div><div><span class="fs11lh1-5 ff1"><b>3. Tag</b></span><span class="fs10lh1-5"> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</span><div><span class="fs11lh1-5 ff1">Nicht gerade der stärkste Wettbewerbsabend des Kleinkunstfestivals St. Ingberter Pfanne war der Dienstag. Als „krassester banger im game“, mit scharfer Zunge und schwarzem Humor angekündigt war der als Poetry Slammer bekannt gewordene Thomas Spitzer, zu dessen moralischer Unterstützung eigens seine TV-Kollegin Hazel Brugger im Publikum mitfieberte. Wer hier jedoch, wie der Nachname suggeriert, auf „Zuspitzung“ gehofft hatte, wurde enttäuscht: Tatsächlich kam „Super Funny“, das erste Comedy-Soloprogramm des Freiburgers, hier als überraschend biederes und mau gewürztes Pfannengericht daher. Verbale Feinkost? Tabu-Brüche nach aparter Rezeptur? Scharf angebratene Wortspiele? Spitzer machte einen eher lustlosen Eindruck und servierte neben wenigen gewollt dilettantischen Reimen überwiegend nicht wirklich pikante Belanglosigkeiten, die durch überlanges Erhitzen fade verköchelten. Und Kotz-Orgien, Porno-typische Sperma-Ergüsse und unter Burkas manifestierte Pupse waren eher geschmacklose denn provozierende Zutaten. Ein paar Schlagfertigkeiten, kluge Gedanken zu Beziehungen und einige gut abgehangene trockene Sprüche machen halt noch keinen satirischen Guerilla Koch. <br>Fast ohne Worte beziehungsweise nur mit einer verdächtig nach Holländisch klingenden Kunstsprache kam danach die „Geräuschpantomime“ von Paul & Willi aus. Wer das Duo schon bei der Regionalverbands-Reihe „Comedy im Herbst“ erleben durfte, weiß, wie schreiend komisch es sein kann und welche schweißtreibende Perfektion seine um akustische Zuspielungen ergänzte Schauspielkunst erfordert. Hier jedoch kamen viele Gags in den hinteren Reihen der Stadthalle nicht an, weil mancher verrückte Einfall auf die Distanz nicht zündete und auch diverse Feinheiten im Mienenspiel verloren gingen. Schade. Außerdem waren die beiden dramaturgisch schlecht beraten, das Plaudergeplänkel zwischen den eigentlichen Nummern nicht drastisch zu kürzen: Das gehört zwar zum Konzept, weil es viel über die Beziehung der beiden Kunstcharaktere erzählt, trägt aber nur innerhalb einer abendfüllenden Show - nicht bei einem Kurzauftritt. <br>Zum Abschluss gab's auch am dritten Pfannentag wieder eine Musikgruppe. Vokalterzett zu viert oder Boygroup mit Dame? Das Quartett „Vocal Recall“ ist ein Gesangstrio, das sich bei einem Pianisten und einem leider oft wenig eleganten elektronischen Rhythmusknecht Unterstützung holt. Vocal Recall setzen auf Nummer sicher: Wer bekannte Hits, sei es aus Klassik oder Pop, witzig und mit originellen Wortspielen neu betextet und außerdem die Moderationslast mit kabarettreifen Dialogen auf sämtliche Schultern verteilt, der kann eigentlich nichts falsch machen. Zumal hier auch das Handwerk stimmte – sehr schön etwa der gregorianische Steuererklärungs-Choral. Gesamtprädikat: nett, aber ein bisserl zu brav.<br><br><b>4. Tag</b></span><span class="fs10lh1-5"> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</span><div><span class="fs11lh1-5 ff1">Die diesjährige Pfanne hatte, man muss einfach mal deutlich sagen, eine verdammt miese Frauenquote - unter insgesamt 27 Teilnehmern nur zwei weibliche! Umso schöner, dass die einzige Solistin im Wettbewerb richtig abräumte: Mit intelligentem literarischem Kabarett machte Sarah Bosetti am Mittwoch gleich zu Anfang klar, dass der vierte Abend die Niveau-Latte deutlich höher legen würde als der schwächelnde Vortag. <br>Bosetti erzählte Geschichten vom schönen Scheitern, an Beziehungen und Zielen. Mal las sie vor, mal plauschte sie auswendig, mal beließ sie es bei vielsagenden Andeutungen, um dann wieder in verbalen Sturzbächen zu baden, hemmungslos zu übertreiben oder surreale Elemente einzuflechten. Aber was oder wie sie es auch sagte: Es war durchweg klug, stellte Dinge genüsslich in Frage, brach mit Erwartungshaltungen, zeugte von einer dezidierten Haltung (ihr raffiniertes Bekenntnis zum Feminismus etwa), von Sensibilität, Empathie und sarkastischem Humor – und fein ziselierte Lyrik kann die Frau außerdem. <br>Die bevorstehende Bundestagswahl war zwar auch am letzten Abend kein Thema, aber dass er unpolitisch gewesen wäre, kann man Stefan Danziger nun wirklich nicht vorwerfen: Der gebürtige Dresdener entpuppte sich als kabarettistischer Knaller mit perfektem Timing und hatte das Publikum von der ersten Sekunde an im Griff. Danziger ist der Typ, der mühelos jede lahme Party aufmischt: ein unwiderstehliches Unterhaltungstalent alter Schule mit frecher Berliner Schnauze, Charme und Mutterwitz. Als knuffiger Berliner Stadtführer schwadronierte er so ungezwungen wie bezwingend drauflos, entwarf absurde Phantasieszenarien und mischte kuriose Alltagsbeobachtungen aus Berlin, dem deutschen Osten oder der Sowjetunion mit politischen Seitenhieben. Dass das alles obendrein kulturhistorisch gut unterfüttert war, machte etwa seine Schilderung der „wahren“ Umstände des Mauerfalls deutlich – großartig. <br>Ebenfalls eine Rampensau, wenn auch ganz anderer Art, ist Chansonkabarettist Jo van Nelsen, der sich mit seinem Programm „Kitsch“ bereits 1998 eine Pfanne geholt hatte. Nun trat der Routinier mit einer wie Schmidts Katze schnurrenden Band aus Kollegen vom Frankfurter Tigerpalast an, steckte persönliche Lieblingslieder in jazzige Arrangements und brachte glamouröses Varietéflair auf die Bühne der Stadthalle. Während sich Songs von Friedrich Hollaender oder Hildegard Knef hier im Wettbewerbsrahmen recht altbacken ausnahmen, waren Titel von Kollegen wie Bodo Wartke, Fabian Schläper oder Tina Häussermann auch zeitlich auf der Höhe. Große Gesten, ein professionell festzementiertes Zahnpasta-Lächeln, beschwingtes Tänzeln und eine geradezu maliziöse Lust am Auskosten von Emotionen und am Flirt mit den Zuschauern: Van Nelsen begeisterte mit theatralischen Interpretationen, bot aber leider inhaltlich nichts Eigenes.</span></div></div><div></div></div><div></div></div></div></div></div>]]></description>
			<pubDate>Fri, 08 Sep 2017 12:09:00 GMT</pubDate>
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			<title><![CDATA[+ Musaab Al-Tuwaijari - das Schicksal hinter der traurigen Nachricht]]></title>
			<author><![CDATA[kek]]></author>
			<category domain="https://www.diekleinetexterei.de/blog/index.php?category=Portr%C3%A4t"><![CDATA[Porträt]]></category>
			<category>imblog</category>
			<description><![CDATA[<div id="imBlogPost_4bztedg0"><div><b><span class="ff1">Zm Gedenken an Musaab Sadeq Khaleel Al-Tuwaijari</span><br></b><span class="ff1"><br><i>"Man kann einen Menschen aus dem Krieg heraus holen, aber nicht den Krieg aus dem Menschen." </i><br><br>Musaab ist der junge Mann, der am 7. Juni 2017 in Ausübung seiner Tätigkeit als Psychologe für das Flüchtlings-Projekt HOPE des DRK (weitere Infos hier: <span class="fs10">http://lv-saarland.drk.de/angebote/migration-und-suchdienst/migration-und-integration/psychosoziales-zentrum-psz.html) </span><span class="fs10">in Saarbrücken auf schreckliche Art ums Leben kam: Er wurde von einem offenbar traumatisierten Flüchtling erstochen.</span></span></div><div><div class="fs10"><span class="ff1"><br>Er war im Krieg geboren und aufgewachsen, er war vor dem Krieg in seiner Heimat geflohen, nun hat ihn der Krieg in seiner neuen Heimat eingeholt.</span></div><div class="fs10"><span class="ff1">Er wollte Menschen helfen, die Ähnliches erlebt haben wie er. <br>Genau diese Mission wurde ihm nun auf tragische Weise zum Verhängnis.<br><br></span></div><span class="ff1">Musaab war außerdem ein hoffnungsvoller Nachwuchs-Dramatiker.<br>Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich ihn in Wort und Bild im Rahmen eines Vorberichts für die Saarbrücker Zeitung porträtiert. Ich traf einen überaus liebenswürdigen, freundlichen und &nbsp;begeisterungsfähigen jungen Mann. <br><br></span></div><div><span class="ff1"><span class="fs10">Hier zur Erinnerung mein damaliger Bericht, der (um Musaabs eigene Worte zu gebrauchen) dem Opfer ein Gesicht gibt, indem es das Schicksal hinter dem Ereignis aufzeigt. </span><br></span></div><div><span class="ff1"><br> Die Fotos zeigen ihn vor dem Saarbrücker Theater im Viertel (TiV), wo sein Stück "Ausgangssperre" am 16. Juni 2016 uraufgeführt wurde.</span></div><div><span class="ff1"> Sein zweites Stück "Ungewiss" wurde im Herbst 2017 am Gorki-Theater Berlin als szenische Lesung eingerichtet, Infos dazu hier:<br> http://www.gorki.de/de/flucht-die-mich-bedingt-10-september.</span></div><div><span class="ff1"><br> +++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++<br><br></span></div><div><div class="imTAJustify"><span class="fs10 ff1">Saarbrücken. „Ich bin im Krieg geboren und aufgewachsen.“ Musaab &nbsp;Al-Tuwaijari wurde 1987 in Baquba im Irak geboren und ist mit Bomben und Wirtschaftsembargos groß geworden. Aber er konnte dem Krieg auch komische Seiten abgewinnen – als absurd empfand er es etwa, dass man die angreifenden Flugzeuge meist früher hörte als den Alarm. <br>Nun kommt sein erstes Theaterstück auf die Bühne des Theaters im Viertel (TiV): In &nbsp;„Ausgangssperre“ verarbeitet Al-Tuwaijari die Geschichte eines Freundes und lässt eigene Erfahrungen einfließen. Dabei stehen nicht die brutalen Aspekte des Krieges im Vordergrund, sondern die Schicksale hinter den Ereignissen – das Interesse des Autors gilt den Menschen, der Situationskomik und der Legendenbildung. Er schreibt über Alltagstypen und die Kleinigkeiten, die eine Gesellschaft ausmachen. <br>„Für mich ist es eine schwarze Komödie“, sagt Al-Tuwaijari über sein Stück, das von der Uni-Theatergruppe Thunis (Regie: Johannes Tröger) uraufgeführt wird. Es spielt 2005 im Westjordanland in Palästina: Drei Medizinstudenten, ein Iraker und zwei Palästinenser, sitzen in einem verdunkelten Wohnheimzimmer fest. Sie dürfen nicht vor die Tür, weil die israelische Armee eine Ausgangssperre verhängt hat. Bis die Soldaten auf der Suche nach Bombenbauern auch ihr Haus durchsuchen, flüchten sie sich in Geschichten, in denen sie ihre eigene Vergangenheit aufarbeiten. <br>Musaab Sadeq Khaleel Al-Tuwaijari kam 2005 zum Studium nach Deutschland; sein Vater war bei der Deutschen Botschaft in Berlin. Aktuell macht er seinen Master in Psychologie an der Universität des Saarlandes (UdS). Nach einem Job in der Landsaufnahmestelle in Lebach arbeitet er seit 2014 in der Migrantenberatung beim Psychosozialen Zentrum des DRK in Burbach. In einem psychoedukativen Projekt in Kooperation mit Psychotherapeuten und der UdS betreut Al-Tuwaijari Flüchtlinge mit Aufenthaltstitel und leistet Hilfe zur Orientierung – es geht um Vermittlungshilfe vor Ort, den Aufbau eines Netzwerks und die Bewältigung von Angststörungen, Traumata und Kulturschocks. <br>Zum Theater kam der Nachwuchsdramatiker erst über den Kontakt mit „Thunis“. Die Lebensgeschichte seines Freundes Mohammed Majid Milhim nahm er 2014 zum Anlass, sich mit einem Exposé bei der Theaterwerkstatt für Autoren mit Migrationshintergrund am Westfälischen Landestheater in Castrop-Rauxel zu bewerben. Als einer der Finalisten erhielt Al-Tuwaijari professionelle Unterstützung bei der Vollendung seines Stücks. Aktuell entwickelt er in einer Autorenwerkstatt des Maxim Gorki Theaters in Berlin sein zweites Stück – &nbsp;Thema: Vermisste in Kriegsgebieten und der familiäre Umgang damit. <br>Sein eigenes Zuhause ist der Irak, doch weil er dorthin momentan nicht zurück kann, ist ihm das Saarland zur zweiten Heimat geworden. Al-Tuwaijari: „Die Saarländer sind besonders entspannt.“ kek</span></div><div><br></div><div><span class="ff1">- Uraufführung: Donnerstag 16. Juni, 19.30 Uhr, TiV. Wieder: Freitag, 17. Juni, 19.30 Uhr und Sonntag, 19. Juni, 17 Uhr.<br>- Karten, Infos: Tel. 0681 – 390 42 06, www.dastiv.de &nbsp;</span></div><div> </div><div><br> </div><div></div></div></div>]]></description>
			<pubDate>Thu, 08 Jun 2017 14:43:00 GMT</pubDate>
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			<title><![CDATA[+ Netboy]]></title>
			<author><![CDATA[kek]]></author>
			<category domain="https://www.diekleinetexterei.de/blog/index.php?category=Theater"><![CDATA[Theater]]></category>
			<category>imblog</category>
			<description><![CDATA[<div id="imBlogPost_q3kj2vqw"><p class="imTALeft"><span class="cf3 ff1 fs20"><b>Fotos für die Überzwerge!</b></span><span class="cf1 ff1 fs20"><br /><br /><b>NETBOY </b>(von Petra Wüllenweber)<br />Ein hochaktuelles Theaterstück über den Wert von Freundschaft, Mobbing im Internet und darüber, wie sehr dieser virtuelle Raum die Wirklichkeit beeinflussen kann.<br /><br />Koproduktion mit dem überzwerg-Jugendclub<br />Regie: Bob Ziegenbalg, Ausstattung: Matthias Werner<br />Es spielen: Eva Coenen, Sebastian Hammer, Jannica Hümbert (Jugendclub), Hannah Schäfer (Jugendclub), Reinhold Rolser<br /><a href="http://www.ueberzwerg.de" target="_blank" class="imCssLink">www.ueberzwerg.de</a><br /><br /></span><span class="fs18 cf1 ff1"><i>Bitte auf's Bild klicken, um die Fotogalerie zu starten!</i></span><span class="ff1 fs20"><br /></span><span class="ff0 fs20"><span class="cf0"><script> var showboxlink0f0ed5971b7a3a55fbd665020ac937af = {'showThumbs': false,'media': []};</script><a role="button" href="#" onclick="return x5engine.imShowBox(showboxlink0f0ed5971b7a3a55fbd665020ac937af, 0, this)" class="imCssLink">[image:image-5]</a></span></span><span class="cf1 ff1 fs20"><br /></span></p></div>]]></description>
			<pubDate>Sun, 16 Mar 2014 20:53:09 GMT</pubDate>
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			<title><![CDATA[+ Naturbelassene Lyrik: Ody]]></title>
			<author><![CDATA[kek]]></author>
			<category domain="https://www.diekleinetexterei.de/blog/index.php?category=Portr%C3%A4t"><![CDATA[Porträt]]></category>
			<category>imblog</category>
			<description><![CDATA[<div id="imBlogPost_831814jj"><p class="imTAJustify"><span class="fs10 cf1 ff1"><b>Ody alias Gregor Köhne - ein Porträt</b></span><span class="fs10 cf1 ff1"><br><br></span><span class="fs10 cf1 ff1">Saarbrücken. Drei Mal hintereinander hat er den Wilhelm-Busch-Preis eingeheimst, danach den Jokers Lyrikpreis in der Kategorie Humor. Nun hat er seinen Dichterlorbeeren noch eine fünfte Auszeichnung hinzugefügt: Im Februar setzte sich Gregor Köhne, besser bekannt unter dem Künstlernamen Ody vam Bruok, gegen mehr als 1200 Mitbewerber aus ganz Europa durch und gewann den Meerbuscher Literaturpreis 2014.<br><br></span><span class="fs10 cf1 ff1">[image:image-1]</span><span class="fs10 cf1 ff1"><br><br>Aber wer ist dieser Ody eigentlich? Köhne stammt aus Solingen, wohnte in Köln und Berlin und lebt seit fast zehn Jahren in Saarbrücken. Ein breites Publikum schätzt ihn als Autor fabelhaft schwarzhumoriger und pointenreicher Gedichte oder wunderbar feinfühliger Liebeslyrik, nachzulesen etwa in seinem Buch „Querbeet" oder live zu hören als „GedichtsMassage". Besucher des Theaterschiffs Maria-Helena kennen ihn als Autor durchweg gereimter Theaterstücke wie „Odys Romeo und Giulia" oder als Urheber und Mitstreiter musikalisch-literarischer Bühnenprogramme, so der Späße des „HühnchenTrios" oder der Revue „Reim &amp; Raus" mit Barbara Dunkel und Wolf Giloi. „Ich trete nicht gern allein auf", sagt Ody, „lieber hole ich mir Leute mit ins Boot." <br><br>Die Maria-Helena ist für ihn eine Art Mutterschiff, weil Admiralsintendant Frank Lion der erste war, der ihm im Saarland eine Bühne bereitete – entdeckt hat Lion ihn 2008, als Köhne bei seiner „Pin-Up-Poetry" am Staden Gedichte an Bäume pinnte. Wie soll man aber auch mit Lyrik auf sich aufmerksam machen? Diese Frage treibt Köhne fortwährend um. Seine Texte in freier Natur an Baumes Borke zu heften, lag nahe: Erstens ist Köhne „ein einfacher Junge vom Land", zweitens ist er Gärtner und studierter Gartenarchitekt. Zu seinem 50. Geburtstag vor drei Jahren hat er sich nun seine dritte abgeschlossene Berufsausbildung gegönnt und unterrichtet seither als Berufsschullehrer, Schwerpunkt Agrarwirtschaft. „Das hält einen flott im Kopp", erklärt er. <br><br>Zum Dichten kam er, als er in den 1990-ern </span><span class="fs10 cf1 ff1">[image:image-3]</span><span class="fs10 cf1 ff1">Texte für Musicals schrieb, die in Berlin und am Hamburger Schmidts Tivoli aufgeführt wurden. Mit dem intellektuell abgehobenen Literaturbetrieb und elitärem Kunstverständnis hat Köhne nichts an der Mütze: „Ich tue mich ganz schwer damit, mich als Künstler zu bezeichnen." Lieber nennt er sich einen Volksdichter. „Die Leute sollen sich mit ihren Emotionen in meinen Texten wiederfinden. Das funktioniert quer durch alle Schichten." An Wilhelm Busch, Heinz Erhardt und Konsorten, als deren Nachfolger er gerne gehandelt wird, schätzt Köhne daher neben ihrer Zeitlosigkeit auch ihre Bodenhaftung: „Die vermitteln Dinge, die man verstehen kann. Und diese Mischung aus Tragik und Humor mag ich total gerne." <br><br>Dank einer tragikomischen Haltung hat er sich auch mit dem Älterwerden abgefunden. Bestes Beispiel: Beim Meerbuscher Literaturpreis ging es um das Thema Glück. Und was reichte Köhne dazu ein? Das Gedicht „Entsaftet", in dem sich eine einst pralle Traube, zur Rosine geschrumpelt, über ihren überzuckerten Lebensabend freut. Typisch Ody. kek<br><br>www.ody-online.de<br></span><br></p></div>]]></description>
			<pubDate>Mon, 10 Mar 2014 10:52:00 GMT</pubDate>
			<link>https://www.diekleinetexterei.de/blog/?--naturbelassene-lyrik--ody</link>
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			<title><![CDATA[+ Auf Tuchfühlung mit Wunderzeiten]]></title>
			<author><![CDATA[kek]]></author>
			<category domain="https://www.diekleinetexterei.de/blog/index.php?category=Ausstellung"><![CDATA[Ausstellung]]></category>
			<category>imblog</category>
			<description><![CDATA[<div id="imBlogPost_5kpqg0ep"><p class="imTALeft"><span class="cb4 fs18 cf3 ff1"><i>Aus dem Textarchiv der SZ gegraben - aus einer leider vergangenen Zeit, als SZ-Artikel noch umfangreich sein durften und feuilletonistisches Schreiben noch Spaß machte ... Erschienen am 3. Mai 2003</i></span><span class="fs20 cb4 cf3 ff1"><br /><br /></span><span class="cb2 fs20 cf3 ff1"><b>„Nylon &amp; Caprisonne“: Das Historische Museum Saar widmet sich kleinen und großen Dingen, die die 50er Jahre ausmachten</b></span><span class="ff2 cb2 fs20 cf3"><br /></span><span class="ff1 cb2 fs20 cf3"><b>Die 50er, das sind nicht nur Lebensgefühl und Wirtschaftswunder, sondern auch Alltagsdinge wie Hüfthalter, BMW-Isetta und Peter Kraus. Das Historische Museum Saar bietet einen vergnüglichen Rückblick.<br /><br /></b>Saarbrücken. „Pack die Badehose ein, nimm Dein kleines Schwesterlein</span><span class="cf1 ff1 cb2 fs20"> ...“ Ja, das waren wirklich noch Zeiten, als Deutschland sich nicht mehr auf den Wannsee beschränkte, sondern seine Badereisen wirtschaftswunderlich ausdehnte: In der Caprihose fuhren Ingeborg und Kurt nach Capri, hörten niveagecremt, pepitagemustert und strohbehütet die Capri-Fischer, kosteten erstmals Spaghetti und schlürften hinterher Cinzano und Caprisonne – nee, stopp, die Caprisonne kam später.<br /><br /><b>Heile Welt unter südlicher Sonne</b><br />Aber wenn wir Petticoat, Perlonstrümpfe, Tütenlampen und Nierentische, all die unvergesslichen Accessoires der 50er Jahre eben, Revue passieren lassen, dann scheint doch alles in ein nostalgisch verklärendes Licht getaucht: ins Licht heiler Welt unter südlicher Sonne, als Caterina Valente und Silvio Francesco „Komm ein bisschen mit nach Italien“ zwitscherten und ganze Volkswagen-Kolonnen ins gelobte Land aufbrachen, zu Amore und Vino Rosso, zum Lago Maggiore, nach Bella Napoli und auf die vielbesungene Fischer-Insel. Und deswegen darf eine Ausstellung über die 1950er getrost „Nylon &amp; Caprisonne“ heißen, auch wenn das angesagte Fruchtsaftgetränk damals noch Libella oder Sinalco hieß und das Historische Museum Saarbrücken aus technischen Gründen nur eine bestimmte Lux-Zahl zulässt: Dort ist es nämlich ab Sonntag, 4. Mai, Eröffnung um elf Uhr, zu besichtigen, dieses ganz besondere Lebensgefühl.<br /><br />Nahtlos schließt es sich an die Dauerausstellung „Von der Stunde Null zum Tag X“ an und vermittelt Einblicke in (nicht nur deutsche) Nachkriegs-Befindlichkeit. Und da geht's eben nicht nur um Urlaub, sondern in erster Linie auch um Alltag. Und Mode! Denn „Modegeschichte ist Zeitgeschichte“, betont Museumsleiter Gerhard Ames. Drum reicht die Palette von Notbehelfs-Konfektion wie „entmilitarisierter Uniform“, Hosen aus Fallschirmseide und Röcken aus Bettlaken bis zur Haute Couture: Coco Chanel, Pierre Balmain ... Unerschwingliche Träume! Geradezu unerhört war das, wie Christian Dior für seinen „New Look“ gleich meterweise Stoff verarbeitete – eine Verschwendung sondergleichen, die ihm einerseits Morddrohungen einbrachte und sogar Debatten im englischen Unterhaus auslöste, anderen aber wiederum als Signal galt: Aufbruchsstimmung!<br /><br />Ames und seine Mitarbeiter konnten im Wesentlichen auf Leihgaben des Modemuseums im Münchner Stadtmuseum zurückgreifen, ergänzt freilich durch allerlei Saar-Spezifisches: Wer hat sie nicht noch im Schrank, die Kleiderbügel des Herren-Ausstatters „Leimbach und Klein“? Schlicht entzückend sind auch die gezeichneten Original-Entwürfe der Modeklasse der hiesigen Schule für Kunst- und Handwerk, während der Zeitenwanderer mit zahlreichen Modellen, in denen teilweise echte Stars von Sabine Sinjen bis Soraya gezwängt waren, tatsächlich „auf Tuchfühlung“ gehen kann: Chemiefaser-Satin, Doupion-Seide und Perlon, zwickende Hüfthalter, wahrlich atemberaubende Corselettchen und sogar der Original-Bikini von Louis Reard – das „Skandalstück“ der Ausstellung. Dabei hielt man damals ansonsten sehr auf den „guten Ton“, trug spezielle Kleidung für spezielle Anlässe und wählte von Hut bis Handtasche stets „das Passende“.<br /><br /><b>Unruhestifter Buchholz und Kraus</b><br />Sehr amüsant, diese Reise in die wohlgeordnete Vergangenheit! Als die Eau de Cologne- und Luxusseife-gepflegte Ingeborg, durch diverse Verhaltens-Ratgeber zur perfekten Gastgeberin gereift, Nelken in der Muschelvase drapierte und auf dem zierlichen Teewägelchen Salzbrezeln und Martini anbot, während der nach Alt-Lavendel duftende Kurt beim Rauchen einer „Collie“-Zigarette über Vespa, BMW-Isetta oder Messerschmitt-Kabinenroller dozierte. Bis Peter Kraus als deutscher Elvis und Horst Buchholz als deutscher James Dean mit Jeans und Rock'n'Roll Unruhe ins Kleinbürger-Idyll brachten. Nein, alles kann das Historische Museum leider nicht zeigen! Aber es laufen Original-Wochenschauen mit süffisanten Kommentaren, es gibt Dia-Vorträge, Führungen, Seminare und Museumsgespräche, und das Kino „achteinhalb“ bietet begleitend ein Filmprogramm an: Die Halbstarken und das Mädchen Rosemarie, die über den Dächern von Nizza nicht wissen, was sie tun, oder so ähnlich ... Die Sparkasse verlost außerdem eine Reise für zwei Personen. Wohin?! Na hören Sie mal. Nach Capri natürlich! <i>kek</i><br /><br />„Nylon &amp; Caprisonne – Das-50er-Jahre-Gefühl“, Historisches Museum Saar, 4. Mai bis 14. September. Di, Mi, Fr, So/feiertags zehn bis 18 Uhr, Do bis 20 Uhr, Sa zwölf bis 18 Uhr. </span><span class="ff2 cf1 cb2 fs20"><br /></span></p></div>]]></description>
			<pubDate>Sun, 02 Mar 2014 18:51:58 GMT</pubDate>
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			<title><![CDATA[+ Sulke: Chansons - garantiert gefühlsecht]]></title>
			<author><![CDATA[kek]]></author>
			<category domain="https://www.diekleinetexterei.de/blog/index.php?category=Rezension"><![CDATA[Rezension]]></category>
			<category>imblog</category>
			<description><![CDATA[<div id="imBlogPost_q7zkju38"><p class="imTALeft"><span class="cb4 fs18 cf3 ff1"><i>Aus dem Archiv gegraben - heute eine übliche Länge für Rezensionen, damals eine echte Kurzkritik. Erschienen im Feuilleton der SZ, 17. März 2003</i></span><span class="fs20 cb2 cf3 ff1"><br /><br />Saarbrücken. „Mensch, Stephan, mach' kein' Quatsch!“, denkt man und möchte ins Taschentuch schniefen, teils aus Mitleid, teils aus Hochachtung vor so viel innerer Größe. Ist er nach jahrelanger Bühnen-Abstinenz wirklich nur zurückgekehrt, um uns das kaum von Ironie getrübte Hohelied des ewigen Verlierers zu singen? Dass einer mit so</span><span class="cf1 fs20 cb2 ff1"> 'nem Gesicht wie seinem eh keine Chance hat, dass man immer wieder die gleichen Fehler macht, dass man am Ende doch immer allein ist – nur zornesmüder Wehmut?<br />Keine Bange, schon kriegt er die Kurve und zerbeißt mit altersweisem Grimm unsere Spießerträume, zerdeppert unser Ehegeschirr – „Mensch, so 'ne Scheiße“ dichtet er und scheint zu Brautkleid und Kinderwunsch nach wie vor ein gespaltenes Verhältnis zu haben. Auch an schelmischer Bühnenpräsenz hat Stephan Sulke nichts verloren, wie er da am Samstagabend mit dem Charme eines verbummelten Abiturienten vor sein erwartungsfrohes Publikum in der voll besetzten Saarbrücker „Bel Étage“ stolpert. Und wie früher sieht er immer noch irgendwie strubbelig aus, lümmelt in souveräner Nonchalance hinter Flügel, Streichersound-geschwängertem Keyboard oder Gitarre und nuschelt mit jung gebliebener Stimme seine alten und neuen Chansons. Das hat durchaus was Ergreifendes, wie gefühlsecht Sulke sich deren meist getragenem Tempo hingibt, wie seine Liebeslieder Verliebten gleich sonnig bummeln und Songs von Tod und Vergänglichkeit herbstlich fahl vor sich hin welken. „Warum war ich bloß so lange weg?“ steht ihm am Ende des Konzerts ins verschmitzt-verschwitzte Gesicht geschrieben. <i>kek</i><br /></span></p></div>]]></description>
			<pubDate>Sat, 01 Mar 2014 19:13:32 GMT</pubDate>
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			<title><![CDATA[+ Werther? Der kann nicht anders]]></title>
			<author><![CDATA[kek]]></author>
			<category domain="https://www.diekleinetexterei.de/blog/index.php?category=Premierenvorbericht"><![CDATA[Premierenvorbericht]]></category>
			<category>imblog</category>
			<description><![CDATA[<div id="imBlogPost_nlhtf6fj"><p class="imTALeft"><span class="cb4 fs18 cf3 ff1"><i>Premierenvorbericht, erschienen im Feuilleton der SZ, 20. Februar 2014<br /></i></span><span class="cb2 fs18 cf3 ff1"><b><br /></b></span><b><span class="fs20 cb2 cf3 ff1">Jetske Mijnssen inszeniert Jules Massenets Oper in Saarbrücken – Samstag Premiere<br />Nach ihrer Inszenierung von Theodore Gouvys „Der Cid“ kommt die Holländerin Jetske Mijnssen wieder ans Saarländische Staatstheater: mit Jules Massenets „Werther“. Bei ihr ist Goethes Figur kein verantwortungsloser Schwärmer, sondern ein innerlich Zerrissener.<br /></span><span class="fs18 cb2 cf3 ff1"><br /> </span></b><span class="fs20 cf0 ff0 cb2"><a role="button" href="#" onclick="return false;"  onmouseover="x5engine.imTip.Show(this, { text: 'Jetske Mijnssen während der Probe am Regiepult', width: 180});" onfocus="$(this).trigger('mouseover');"  class="imAbbr imCssLink">[image:image-8]</a></span><span class="fs18 cf3 ff1 cb2"><b><br /><br /></b></span><span class="fs20 cf1 ff2 cb2">Saarbrücken. Die Holländerin Jetske Mijnssen wird gern mit hochemotionalen Beziehungsstücken beauftragt. Kein Wunder, beweist die im deutschen Sprachraum gefragte Opernregisseurin bei ihren Inszenierungen doch ein ausgeprägt tiefenpsychologisches Interesse. Auf die Frage nach einem eigenen Stil kommt daher ein entschiedenes „Ja!&quot;: Mijnssen spürt menschlichen Schwächen nach, sucht nach Schatten. „Ich gehe nahe an die Figuren heran, lese sie anders. Dadurch gelingt es mir immer wieder, einen Stoff so umzusetzen, dass er sehr aktuell ist.&quot; Eine zeitgenössische Brisanz, die sich nicht zwanghaft in äußerlicher Modernisierung niederschlägt: Aktuell inszeniert Mijnssen - nach Thjeodore Gouvys „Der Cid&quot; - am Saarländischen Staatstheater „Werther&quot; von Jules Massenet und setzt dabei zum ersten Mal auf historische Kostüme. Im Zusammenklang mit dem abstrakten Bühnenbild (Ausstattung: Ben Baur) soll das Bilder wie Gemälde ergeben, Szenen wie Stillleben.</span><span class="ff1 fs20 cf1 cb2"><b><br /></b></span><span class="ff2 fs20 cf1 cb2"><br /></span><span class="cf0 ff0 fs20 cb2"><a role="button" href="#" onclick="return false;"  onmouseover="x5engine.imTip.Show(this, { text: 'Jetske Mijnssen während der Probe am Regiepult', width: 180});" onfocus="$(this).trigger('mouseover');"  class="imAbbr imCssLink">[image:image-10]</a></span><span class="cf3 ff1 fs20 cb2"><b>Gefühle im Korsett<i><br /></i></b>Die hochgeschlossene, gedeckte Kleidung symbolisiert für Mijnssen das emotionale Korsett jener Epoche: Sie soll die Macht von Konventionen begreiflich machen und verdeutlichen, warum Charlotte aus ihrem Eheversprechen für den braven Albert nicht heraus kann, obwohl sie doch den impulsiven Werther liebt. Den sieht Mijnssen nicht als sentimentalen Egozentriker, wie man ihn aus Goethes Briefroman herauslesen kann – nicht als verantwortungslosen Schwärmer, sondern als innerlich Zerrissenen: „Der kann nicht anders“, meint Mijnssen. Wie aber schafft man es, ihn nicht als Narziss darzustellen? Mijnssen glaubt, in Konzentration und Klarheit den Schlüssel gefunden zu haben. Zusammen mit Operndirektorin Brigitte Heusinger und dem musikalischen Leiter Thomas Peuschel hat sie eine eigene Fassung erarbeitet, die ganz auf das Beziehungsdreieck Lotte, Albert, Werther fokussiert. „Wir haben zugespitzt, Kleinkram weggekürzt und Szenen ineinander geschoben“, erzählt Mijnssen und formt zur Verdeutlichung mit den Händen einen Trichter. Des weiteren hat sie Werther und Charlotte je einen Doppelgänger zur Seite gestellt, der von Schauspielern verkörpert wird: Sie übernehmen die Rollen, während die Sänger das wahre Innenleben der Figuren reflektieren. „Theater muss ein Spiegel sein, Oper muss unter die Haut gehen!“, sagt Mijnssen. Nach einem Literaturstudium in Amsterdam absolvierte sie an der dortigen Hochschule der Künste eine Regie-Ausbildung mit dem Schwerpunkt Musiktheater. „Für mich kam nur Oper in Frage“, erklärt Mijnssen. „Die Musik gibt mir die Bilder. Das ist ein wesentlicher Bestandteil meiner Inszenierungskraft.“ <i>kek</i></span><span class="cf1 ff2 fs20 cb2"><br /><br /></span><span class="ff1 cf1 fs20 cb2">Premiere: Samstag, 22. Februar, 19.30 Uhr, Saarländisches Staatstheater. Karten: Tel. 0681 – 3092486. www.saarlaendisches-staatstheater.de</span><span class="ff2 cf1 fs20 cb2"><br /></span></p></div>]]></description>
			<pubDate>Thu, 20 Feb 2014 20:19:48 GMT</pubDate>
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			<title><![CDATA[+ Da hilft nur noch der liebe Gott]]></title>
			<author><![CDATA[kek]]></author>
			<category domain="https://www.diekleinetexterei.de/blog/index.php?category=Premierenvorbericht"><![CDATA[Premierenvorbericht]]></category>
			<category>imblog</category>
			<description><![CDATA[<div id="imBlogPost_5x9ij2r6"><p class="imTALeft"><span class="cb4 fs18 cf3 ff1"><i>Aus dem SZ-Textarchiv gegraben - ja, auch Pemierenvorberichte durften damals noch etwas größer sein. Erschienen am 21. Februar 2002<br /><br /></i></span><span class="fs20 cb2 cf3 ff1"><b>... denkt sich zumindest Josh in „Wunderzeiten“ – Premiere am Samstag im Saarbrücker Theater Überzwerg</b><br /><b>Was tun, wenn alles nervt und auch in Liebesdingen nichts nach Plan läuft? Na, vielleicht kann ja Gott helfen. Ob's funktioniert, ist von Samstag an in Kim Fupz Aakesons Stück „Wunderzeiten“ zu erfahren.</b><br /><br />Saarbrücken. „Lieber Gott!“ Oder besser „Hallo Gott“? Oder doch schlicht „Tag, Gott“? Wie betet man eigentlich korrekt? Josh probiert es einfach mal auf seine Art, und tatsächlich: Gott meldet sich. Und Josh erzählt ihm von seinem Frust. Vom Vater, der vor ein paar Jahren gestorben ist. Von der Mutter, einer ewig besorgten Schreckschraube im Hilde-Becker-Outfit, die ihm mit ihren sauertöpfischen Vorsichtspredigten in den Ohren liegt. Vom ätzenden Lehrer, der seine Überlegenheit raushängen lässt und Josh immer als seinen Lieblingsblödmann bezeichnet. Davon, dass bei ihm immer noch keine Haare auf der tieferen Etage sprießen wollen, sondern nur die Pickel im Gesicht. Die dafür aber reichlich. Und er erzählt Gott von der tollen Anna, in die er fürchterlich verknallt ist. Aber leider auch sein bester Freund Martin. Alles Mist. Höchste Zeit für Wunder!<br /><br />„Wunderzeiten“, die neueste Produktion des Kinder- und Jugendtheaters Überzwerg, ist ein modernes Märchen, in dem das Unmögliche möglich wird. Premiere ist am Samstag, und dann darf geschmunzelt werden: Denn mit den haarsträubenden Folgen seines Gebets hat Josh nicht gerechnet. Seine Wünsche gehen zwar in Erfüllung, doch daran sind Bedingungen geknüpft. Verflixt, schon wieder „Wenn, dann ...“ – spielt auch der Himmel blöde Erziehungsspiele? Nun, ein pädagogischer Lerneffekt setzt tatsächlich ein, doch den hat Josh sich mit den Konsequenzen seines Handelns selbst eingebrockt. Und genau das und eine gehörige Portion Komik, die garantiert auch Erwachsene herzhaft lachen lässt, nehmen dem Stück des mehrfach ausgezeichneten dänischen Autors Kim Fupz Aakeson den Zeigefinger.<br /><br />Und die Überzwerge wären nicht überzwerg, wenn sie nicht den bösen Zeigefinger durch einen ganz anderen schlimmen Finger ersetzt und auch sonst wieder köstliche Gags eingebaut hätten. Unter anderem hat Frank Lichtenberg ein Bühnenbild entworfen, in dem allein schon die Wände Bände sprechen: Eine Art tapeziertes Schamhaar, Papier gewordene Phallussymbolik, erzählt eine Geschichte zwischen Einigeln und Fühler-Ausstrecken; der Punchingball aus Kuscheltieren, an dem Josh seinen Frust abreagiert, scheint dabei genau über der Schwelle zum Erwachsenwerden zu hängen. Durchboxen? „Ja, Josh schafft es allein“, meint auch Regisseur Bob Ziegenbalg.<br /><br />Dafür, dass auf dem Spielplan der Überzwerge auffällig oft Stücke aus dem skandivanischen Raum oder Dänemark auftauchen, nennt er gute Gründe: „In Schweden etwa bekommt ein Autor für Kindertheater genau so viele Tantiemen wie für Erwachsenentheater“ – in Deutschland gerade mal die Hälfte. Von jeher sei das dort gleichgestellt, und auch die pädagogische Tradition spiele eine Rolle: „Dort ist Theater fester Bestandteil der Schule; es ist eine Selbstverständlichkeit, Aufführungen zu besuchen.“ Aber allmählich bessere sich die Situation auch hierzulande, freut sich Ziegenbalg, der seit Anfang der 90er mit Übernahme der künstlerischen Leitung bei Überzwerg über Patenklassen und Jugendklubs den Kontakt zu Kindergärten und Schulen weiter ausbaut. Mit Erfolg: Die sechste Klasse der Erweiterten Realschule Schwalbach war am Mittwochmorgen nach der Hauptprobe zu „Wunderzeiten“ eifrig mit Theaterpädagogin Elke Domaratius ins Gespräch vertieft.</span><span class="ff1 fs20"> <i>kek</i><br /><br /></span><span class="ff1 fs20">- &quot;Wunderzeiten“ (ab 12 Jahren). Premiere: Samstag, 23. Februar, 19.30 Uhr; wieder: Donnerstag, 28. Februar, 10 Uhr (beide ausverkauft). Informationen und Karten unter Tel. (0681) 854021. </span><span class="ff2 fs20"><br /></span></p></div>]]></description>
			<pubDate>Fri, 31 Jan 2014 19:44:03 GMT</pubDate>
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			<title><![CDATA[+ Zwischen Juraseminar und Jazzprobe]]></title>
			<author><![CDATA[kek]]></author>
			<category domain="https://www.diekleinetexterei.de/blog/index.php?category=Portr%C3%A4t"><![CDATA[Porträt]]></category>
			<category>imblog</category>
			<description><![CDATA[<div id="imBlogPost_7656ih82"><p class="imTALeft"><span class="cb4 fs18 cf3 ff1"><i>Porträt, erschienen im Feuilleton der SZ, 23. Januar 2014<br /></i></span><span class="fs20 cb2 cf5 ff1"><br /></span><span class="cf3 ff2 fs20 cb2"><b>Wie der saarländische Posaunist Peter Hedrich ins Bundesjazzorchester kam<br />Im „BuJazzO“, dem Bundesjazzorchester, trifft sich die Crème de la Crème des deutschen Jazz-Nachwuchses. Mit dabei: der saarländische Posaunist Peter Hedrich, der kurioserweise nicht Musik, sondern Jura studiert.<br /></b></span><span class="ff1 fs20"><br /></span><span class="ff0 fs20"><span class="cf0">[image:image-1]</span></span><span class="ff1 fs20"><br /><br />Saarwellingen. Peter Hedrich ist ein Phänomen. Nicht, weil er es ganz bescheiden am liebsten sähe, wenn gar kein Aufhebens um ihn gemacht würde. Erst recht nicht, weil sein Werdegang als Blasmusiker geradezu prototypisch ist: Über Verwandte oder Bekannte rutscht man als Kind in einen Musikverein und bekommt ein Instrument zugeteilt, bei dem gerade Spielermangel herrscht – bei Hedrich war's die Posaune, was sich in seinem Fall als glückliche Fügung erwies. Ungewöhnlich ist hingegen die Tatsache, dass er es aktuell als einziger Saarländer ins „BuJazzO&quot;, ins Bundesjazzorchester, geschafft hat. Was in der Regel gleichbedeutend mit einem Wechsel ins Profilager ist. Aber, und das ist nun das wirklich Besondere: Hedrich studiert nicht Musik, sondern Jura, an der Saar-Uni. „Das Musikerleben ist mir zu unsicher&quot;, begründet der junge Tenorposaunist seine Entscheidung. Dass er die Aufnahmeprüfung dennoch bestanden hat, ist umso höher zu bewerten, als „das musikalische Niveau der Kandidaten dieses Jahr enorm hoch&quot; war, wie Jiggs Whigham, Juror und Künstlerischer Leiter des BuJazzO, erläutert. Anfang Januar fanden in Bonn Probespiele statt, um sämtliche Orchesterpositionen neu zu besetzen; von 142 Bewerbern wurden 36 aufgenommen - darunter eben auch Peter Hedrich. <br /><br /></span><span class="ff0 fs20"><span class="cf0">[image:image-2]</span></span><span class="ff1 fs20">Er posaunt seit seinem sechsten Lebensjahr, erst im Musikverein Reisbach, der von seinem Vater Alfred geleitet wird, später unter dessen Leitung auch in der Saarwellinger „Jailhouse BigBand&quot;. Anerkennende Worte findet Hedrich für die Nachwuchsförderung in der Landesschülerbigband „Jazz Train&quot;, die den Zwanzigjährigen just aus Altersgründen aus ihren Reihen entließ: „Peter war einer der Zuverlässigsten und das Gewissen der Band&quot;, lobte der - ebenfalls scheidende - Leiter Ernst Urmetzer beim Abschiedskonzert im Kulturzentrum Alsfassen, wo Hedrich als Solist sein lyrisches Talent demonstrierte. Bigband-Erfahrung hat er bereits reichlich. Natürlich bläst er auch im Jugendjazzorchester Saar (JJOS), das seit 2012 von dem St. Wendeler Saxofonisten und Arrangeur Martin S. Schmitt geführt wird, und sitzt obendrein in der renommierten Formation „Brassolution&quot;. Außerdem hat er ein Duo mit einer jungen Pianistin; das bislang aus Standards bestehende Programm soll nun um skandinavisch Introvertiertes erweitert werden. Hedrichs Dank gilt vor allem seinem Instrumental-Lehrer Philipp Schug: „Der fordert und fördert mich. Ohne ihn wäre ich jetzt nicht im BuJazzO!&quot; Die Verpflichtung auf Bundesebene dauert zwei Jahre - einerseits freut Hedrich sich, andererseits hat er ein wenig Bammel vorm Erfolgsdruck. Weil die Arbeitsphasen aber in den Semesterferien liegen, ist er zuversichtlich, Musik und Studium unter einen Hut zu kriegen. <i>kek</i></span><span class="fs24 ff3"><br /></span><span class="fs18 cf3 ff2"><br /></span></p></div>]]></description>
			<pubDate>Wed, 22 Jan 2014 23:16:20 GMT</pubDate>
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			<title><![CDATA[+ KönigMüller und die Sache mit Männern und Frauen]]></title>
			<author><![CDATA[kek]]></author>
			<category domain="https://www.diekleinetexterei.de/blog/index.php?category=Rezension"><![CDATA[Rezension]]></category>
			<category>imblog</category>
			<description><![CDATA[<div id="imBlogPost_v64301wr"><p class="imTALeft"><span class="cb4 fs18 cf3 ff1"><i>Rezension, erschienen in der SZ am 20. Januar 2014<br /></i></span><i><span class="cb3 cf5 fs18 ff1"><br /></span></i><span class="fs20 cb2 cf3 ff1">Saarbrücken. Ein Jahr lang wurde getüftelt, getextet, komponiert und umarrangiert, dann war die Zeit reif für „Duette mit Herz und Humor“. Am Freitag gab das Duo „KönigMüller“ sein Debüt im gut besuchten Domicil Leidinger und ließ das Publikum auf zerzausten Beziehungswölkchen schweben. Zwei Stimmen, wechselnde Gitarren und gelegentlich ein Akkordeon: Für ihr erstes gemeinsames Projekt haben die Sängerin Sabine König und der Gitarrist Ivo Müller Lieder über Männer und Frauen gesammelt und teils auch selbst geschrieben. Erwartungsgemäß bietet dieses thematische Minenfeld der Geschlechter neben Momenten trauter Harmonie auch reichlich Konflikt- und Zündstoff, der hier jedoch mit nonchalantem Augenzwinkern und schwarzem Humor behandelt wird. „Gelassen verlassen“ könnte das Motto heißen. Und tatsächlich kommt das ganze Programm ohne jede Erdenschwere daher, duftig und leicht wie ein aprilfrischer Frühlingstag: so heiter und sonnig, mit gelegentlichen kleinen Schauern und sanften Brisen, dass man gleich mitsegeln möchte, auch wenn man mitunter auf Wolke acht umsteigen muss, weil Wolke sieben schon besetzt ist. KönigMüller singen mal solo, mal im Duett von verhinderter Liebe und unerfüllbaren Sehnsüchten; von Frauen, die sich nicht entscheiden können, und von Männern, deren Schwächen just ihre Stärken sind. Bei Coverversionen von Comedian Harmonists über Beatles und Hildegard Knef bis Stefan Gwildis spielen die beiden mit lockerem Geplänkel ihr gegensätzliches komödiantisches Talent aus, und musikalisch überzeugt das Konzept auch: Sabine König hat ein rundum sympathisches Timbre und singt und scattet mit wunderbar unangestrengtem und warmem Sopran, während Ivo Müller als Vokalist mit Understatement dagegen hält und seine „Vielsaitigkeit“ als Gitarrist und seine Zurückhaltung als Begleiter unter Beweis stellt. Stilistisch vereint das Repertoire Pop, Walzer, Gypsy Swing und Jazzballaden – die Titel aus eigener Kreation haben übrigens sowohl von den Noten als auch den intelligent-verschmitzten Texten her durchaus das Zeug, mit Annett Louisan und Co mitzuhalten.<i> kek</i><br />www.koenigmueller.de</span><span class="fs18 cb2 cf3 ff1"><br /></span></p></div>]]></description>
			<pubDate>Sun, 19 Jan 2014 23:09:04 GMT</pubDate>
			<link>https://www.diekleinetexterei.de/blog/?--koenigmueller-und-die-sache-mit-maennern-und-frauen</link>
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			<title><![CDATA[+ Singen belebt die Innereien]]></title>
			<author><![CDATA[kek]]></author>
			<category domain="https://www.diekleinetexterei.de/blog/index.php?category=Rezension"><![CDATA[Rezension]]></category>
			<category>imblog</category>
			<description><![CDATA[<div id="imBlogPost_1d3ydm31"><p class="imTALeft"><span class="cb4 fs18 cf3 ff1"><i>Ein weiterer Archiv-Fund - kennt die noch jemand? Jutta Wübbe alias Marlene Jaschke? Rezension, erschienen im Feuilleton der SZ, 24. April 2002</i></span><span class="fs20 cb2 ff2 cf3"><br /><br /></span><span class="ff1 fs20 cb2 cf3">Saarbrücken. Suchend schweift ihr Blick durch die Reihen. Der? Oder vielleicht doch lieber „Herr Wolfgang“? Der adrette Herr Bernhard wäre auch nicht zu verachten</span><span class="ff1 fs20"> ... Hauptsache, sie findet „Einen Mann, einen richtigen Mann“, und dafür ist sie extra nach Saarbrücken gereist, sie ist „Auf dem Weg zu Dir!“: Deutschlands bekannteste Sekretärin und stolze Wellensittich-Besitzerin Marlene Jaschke. Die Uhr in der Congresshalle scheint am Montag rückwärts zu laufen, bleibt stehen in den 50er Jahren, bei Gummibaum und Nierentisch.<br /><br />Was ist sie wieder schick, die Meisterin der linkischen Verlegenheits-Gestik! Schleifenbluse, beiges Kostüm im Midi-Schnitt, Kapotthut und Perlenkette, einreihig. Dafür hat sie zwei Handtaschen dabei, und man möchte wetten, dass sich in einer der Benimm-Knigge der Wirtschaftswunder-Ära befindet: Knicksen Sie höflich vor Ihrem Publikum, wenden Sie zum Schneuzen den Umstehenden den Rücken zu, ziehen Sie im Sitzen den Rock über den Knien straff. Klauben Sie Fusseln vom Vorhang, steht zwar nicht drin, aber auch das tut die Nostalgikerin, denn Ordnung ist schließlich das halbe Leben. Die andere Hälfte besteht aus komischer Verzweiflung und unerfüllter Sehnsucht nach trauter Zweisamkeit – da hilft nur Gesang, denn „Singen kräftigt die Bauchmuskulatur und belebt die Innereien.“ Und so singt sie, was das Publikum aushält, schmettert schnutenlippig ein Couplet nach dem anderen, durchwühlt nach Herzenslust die Operettenkiste, stöbert im schmachtenden Volkslied- und Schlager-Fundus und vergreift sich gar tolldreist an Opern. Eine mutige Botschafterin selbst gebrauter Poesie ist </span><span class="ff1 fs20">diese rundum liebenswerte Kunstfigur, mit der Comedy-Star Jutta Wübbe behutsam Prozesse weiblicher Selbstverwirklichung karikiert.<br /><br />Eine wahre Ikone der sanften Emanzipation: </span><span class="ff1 fs20">bewusst in der Wahrnehmung und zielstrebig in der Durchsetzung eigener Bedürfnisse, und dabei von einer geradezu rührenden Naivität – einfach wunderbar, wie unschuldig Marlene ihre Atemübungen in Gainsbourgs Erotik-Stöhner „Je t'aime“ unterbringt. Ganz ohne Mann kommt die Dame mit der Bewegungsanmut einer rheumakranken Seemöwe allerdings nicht aus – aber der Tastenknecht am Klavier gehört ja zum bewährten Inventar einer One-Woman-Show.</span><span class="ff1 fs20"> <i>kek</i><span class="cf1"><br /></span></span></p></div>]]></description>
			<pubDate>Fri, 01 Nov 2013 19:50:25 GMT</pubDate>
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			<title><![CDATA[+ Sein Weg ist das Ziel]]></title>
			<author><![CDATA[kek]]></author>
			<category domain="https://www.diekleinetexterei.de/blog/index.php?category=Portr%C3%A4t"><![CDATA[Porträt]]></category>
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			<description><![CDATA[<div id="imBlogPost_31ex17gy"><p class="imTALeft"><span class="cb4 fs18 cf3 ff1"><i>Porträt, erschienen in der SZ, 22. September 2012<br /></i></span><span class="cb2 fs18 cf3 ff1"><br /></span><span class="fs20 cb2 cf3 ff1"><b>Der Tenor Algirdas Drevinskas liebt sein Theater- und sein Familienleben<br />Ab heute steht er wieder in seiner preisgekrönten Paraderolle in „Eugen Onegin“ auf der Bühne des Staatstheaters: Der lyrische Tenor Algirdas Drevinskas ist nach vielen Lebensstationen mitsamt Familie am Staatstheater zu Hause. <br /><br /></b></span><span class="ff2 fs20">Saarbrücken. Zum Gespräch in der Kantine des Saarländischen Staatstheaters (SST) erscheint Algirdas Drevinskas mit dem fünf Monate alten Söhnchen Julius auf dem Arm. Der Kleine schlummert während der Unterhaltung friedlich vor sich hin, während seine fast fünfjährige Schwester Clara der Mama Elizabeth Wiles beim Einsingen lauscht – es scheint was dran zu sein, dass entspannte Eltern entspannte Kinder haben. Papa Algis, wie er von Freunden genannt wird, sagt derweil Sätze wie „Der weltbeste Schlager ist nicht halb so schön wie die schlechteste Mozart-Arie.&quot; Oder: „Ich bewundere Menschen, die Büroarbeit verrichten. Mich würde man abtransportieren müssen.&quot; Er erzählt von seiner Liebe zum Schauspiel. Seinem Faible fürs Komödiantische. Davon, dass er keine Lieblingsrollen habe, weil es immer gerade in der Partie aufgehe, die er gerade singe. Dass er als optimistischer Mensch für alles immer eine Lösung finde und sich auf jede Herausforderung freue. Und dass der Prozess der Gestaltung das eigentlich Spannende sei - „Der Weg ist das Ziel&quot;, so könnte sein Lebensmotto heißen. Seit der Spielzeit 1998/99 ist Algirdas Drevinskas als lyrischer Tenor am SST engagiert. Der 47jährige Sänger stammt aus dem litauischen Biržai und studierte zunächst Chordirigieren am Konservatorium in Klaipeda. 1989 wechselte er zum Gesangsstudium an die Musikakademie in Vilnius und setzte seine Ausbildung an der Universität für Musik in Graz fort. Aus dieser Zeit hat Drevinskas neben einem charmanten österreichischen Zungenschlag auch die Freundschaft zu seinem Gesangsprofessor Josef Loibl behalten, dessen Rat er heute noch oft einholt. Der Mentor empfahl ihm, Oratorien zu singen: „Es diszipliniert und hält die Stimme frisch!&quot; Oratorien mag Drevinskas auch, weil er sich bei dieser Musik „mit oben verdrahtet&quot; fühlt. Auch wenn er kein religiöser Mensch ist, jedenfalls nicht in konfessionellem Sinn. „Plärren&quot; ist ihm ein Graus, weshalb er Mozart schätzt, in dessen „Entführung aus dem Serail&quot; er gerade als Belmonte auf der Bühne steht. Mozart fordere ebenfalls Disziplin und Leichtigkeit, zitiert er wieder Loibl: „Wer Mozart singen kann, kann alles singen!&quot; Gesungen hat Drevinskas schon im Kindergarten, „ganz selbstverständlich, ohne Scheu.&quot; Als er dann forderte „Ich will in die Musikschule!&quot;, habe seine Mutter, heute noch seine beste Freundin, ihn bedingungslos unterstützt. Auch wenn er erst mal mit einem Akkordeon vorlieb nehmen musste, weil für ein Klavier das Geld fehlte. Nach seinem Bühnendebüt 1991 an der litauischen Nationaloper sang sich Drevinskas quer durch Europa und gastierte auch in den USA. „Ich habe mich immer nach einer Karriere in Flugzeugen und Zügen gesehnt, aber bald gemerkt, dass das nichts für mich ist&quot;, erzählt er. „Ich genieße meine Familie und die Musik und versuche jeden Tag so zu leben, als wär's der letzte.&quot; Rund 90 Opernpartien hat er insgesamt auf dem Buckel, im nächsten Frühjahr singt er in Brittens „The Turn of the Screw&quot; seine 60. Rolle am SST, dessen Sponsor-Club ihn kürzlich für seine Interpretation des Lenskij in Tschaikowskis „Eugen Onegin&quot; ausgezeichnet hat. „Den Lenskij mag ich sehr, weil er mir so ähnlich ist&quot; erzählt Drevinskas über die „wahnsinnig schöne&quot; und zugleich schwere Aufgabe, den Hitzkopf Lenskij im Rollstuhl zu singen und ihm dadurch Innerlichkeit und Tiefe zu schenken. Als seine „schönste Opern-Erfahrung&quot; nennt Drevinskas jedoch den Grafen Almaviva im „Barbier von Sevilla&quot;, weil bei dieser runden Produktion einfach alles gestimmt habe. Lampenfieber hat er heute noch; Ausgleich holt er sich drei bis vier Mal pro Woche beim Joggen im Wald - „Hygiene der Seele&quot; nennt er das. Und Epi-Genetik interessiert ihn. Drevinskas ist dankbar, dass er am SST die Chance bekam, mit seinen Rollen zu wachsen. „Hier gibt es Ensemble-Pflege&quot;, lobt er. Zum Abschied dreht er sich nochmal um: „Wenn jemand Optimismus braucht - zu mir schicken!&quot; <i>kek</i></span><span class="ff2 fs20"><br /></span><span class="ff1 fs20"><b><br /></b></span></p></div>]]></description>
			<pubDate>Sat, 22 Sep 2012 17:12:21 GMT</pubDate>
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			<title><![CDATA[+ Die Energie der Eidgenossen]]></title>
			<author><![CDATA[kek]]></author>
			<category domain="https://www.diekleinetexterei.de/blog/index.php?category=Rezension"><![CDATA[Rezension]]></category>
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			<description><![CDATA[<div id="imBlogPost_ocjx33h2"><p class="imTALeft"><span class="cb4 fs18 cf3 ff1"><i>Rezension, erschienen im Feuilleton der SZ, 17. September 2012</i></span><i><span class="fs20 cb2 cf3 ff1"><br /></span></i><span class="fs20 cb2 cf3 ff1"><b><br />Ein Blick auf die 22. Internationalen St. Wendeler Jazztage mit Schwerpunkt auf der Schweiz<br />Sehr gelungen sind die Internationalen St. Wendeler Jazztage ausgefallen, die bis gestern Abend liefen. Der Schwerpunkt beim 22. Jahrgang war die Musikszene der Schweiz. Von dort kam auch ein Liebling des Festivals: „Hildegard lernt fliegen“.</b><br /><br />St. Wendel. Was wollten uns eigentlich die Wattestäbchen auf dem Plakat der diesjährigen Internationalen St. Wendeler Jazztage sagen? Dass die 22. Ausgabe des Festivals uns mal gründlich die Ohren durchpusten würde? Oder dass wir unsere Lauscher vorsorglich putzen sollten, um nur ja alle Feinheiten mitzubekommen? Und die Mikado-artige Stapelung der Q-Tips – sollte sie signalisieren, dass es ebenso fragil wie vielschichtig zugehen würde?<br /><br />Diese Verheißungen haben am Wochenende europäische Spitzenensembles mit Schwerpunkt Schweiz eingelöst. Wie immer gingen die Konzerte in familiärer Atmosphäre und brillantem Sound über die Bühne des Saalbaus, wo der künstlerische Leiter Ernst Urmetzer sich bei seinen rund 30 ehrenamtlichen Helfern bedankte. Viele davon sind in der Bigband „Urknall“ aktiv, die gestern mit einer Gala ihr 30-jähriges Jubiläum feierte. Neu im Programm war „Jazz für Kinder“: In der Vermittlerrolle servierte zur sonntäglichen Matinée das Münchner Panama-Ensemble mit „Die Pecorinos“ ein „Krimi-Mäusical“.<br /><br />Zum Auftakt spielte am Freitag das Trio des polnischen Pianisten Marcin Wasilewski, das bereits 2001 als blutjunge Begleitcombo des Trompeters Tomasz Stanko in St. Wendel gastiert hatte. Am lyrisch-introvertierten Zugriff hat sich wenig geändert: Die Polen mögen es minimalistisch und betten bei eigenen wie Fremdkompositionen (darunter Titel von Hanns Eisler und Krzysztof Komedas Filmmusik zu Roman Polanskis „Rosemary's Baby“) einprägsame Motive in rhythmisch vertrackte Strukturen, die zu zerfasern scheinen, bis wieder ein gemeinsamer Puls einsetzt. Gewöhnungsbedürftig war freilich der höhenlastig schnarrende Sound von Slawomir Kurkiewicz' Stutz-Kontrabass.<br /><br />Mit Christoph Stiefels „Isorhythm Orchestra“ folgte eine auf höherem Energieniveau angesiedelte deutsche Erstaufführung. Der Schweizer Pianist, vor zwei Jahren mit seinem „Inner Language Trio“ bei WND Jazz zu hören, beschäftigt sich seit Jahren mit einer aus der Renaissance stammenden Kompositionstechnik, bei der sich rhythmische Muster verschieben und überlagern. Hier präsentierte er seine ursprünglich für Trio arrangierte Musik in einer siebenköpfigen Formation um Sängerin Sarah Buechi, die ihre Stimme mit makelloser Intonation oft wie ein Instrument einsetzte und so mit dem Bläsersatz verschmolz: Über Stakkato-Beats entfalteten sich ebenso schmissige wie komplexe, mitreißende orchestrale Unisono-Passagen und Kollektiv-Improvisationen.<br /><br />Zum Liebling des Festivals avancierten tags darauf Stiefels Landsmänner von „Hildegard lernt fliegen“. Dem eidgenössischen Sextett um Ausnahme-Vokalist Andreas Schaerer gelang eine phänomenal witzige, vitale und überraschungsträchtige Synthese aus Weltmusik und Jazz – gespickt mit ironischen Brüchen und so ungewöhnlichen Instrumenten wie einer Schreibmaschine. Mal klang es, als ob britische Exaltiertheit im Balkan Karussell fährt, dann wieder gelangen ergreifend authentische hypnotische Momente. Mainstream-verstopfte Ohren wurden mit kernig-expressiven Sounds gewaschen, und Stimmakrobat Schaerer brillierte als Entertainer wie als klassisch versierter Sänger, der obendrein jede Weltmeisterschaft im Instrumente-Imitieren und oralperkussiven Beatboxen gewinnen würde – kein Wunder, dass schon Bobby McFerrin sich seiner Unterstützung versicherte.<br /><br />Nach diesen helvetischen Überfliegern setzte der politisch bewegte, israelischstämmige Star-Saxofonist Gilad Atzmon zum Einstieg auf Powerplay. Doch war der Beitrag seines ansonsten jung besetzten „Oriental House Ensemble“ nicht so fernöstlich, wie der Name suggerierte: Der Auftritt des hochvirtuosen britischen Quartetts verknüpfte feinnervigen Bebop und Klassik (Ravels „Bolero“ etwa durfte als feuriger Calypso tänzeln) und hinterließ stilistisch einen etwas beliebigen Eindruck – weniger kompromissbereit freilich klangen Atzmons Emotionalität und sein auf Sopran- und Altsax wie Klarinette gleichermaßen dominanter Ton. <i>kek</i></span><span class="ff2 fs20 cb2 cf3"><br /></span></p></div>]]></description>
			<pubDate>Mon, 17 Sep 2012 18:35:05 GMT</pubDate>
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			<title><![CDATA[+ Bonbonbunt mit Zuckerwatte: SchwarzBlond]]></title>
			<author><![CDATA[kek]]></author>
			<category domain="https://www.diekleinetexterei.de/blog/index.php?category=Rezension"><![CDATA[Rezension]]></category>
			<category>imblog</category>
			<description><![CDATA[<div id="imBlogPost_31700118"><p class="imTALeft"><span class="cb4 fs18 cf3 ff1"><i>Rezension, erschienen in der SZ am 9. Mai 2011</i></span><span class="fs20 cb2 cf3 ff1"><br /><br />Saarbrücken. Eine bonbonbunte Dosis Hauptstadt-Kitsch landete am Freitag im Theater Leidinger: Das Berliner Duo „SchwarzBlond“ präsentierte mit seinem Varieté-Programm „Schön, aber giftig“ Glamour, Zuckerwatte-Pop und komische Lyrik, kombiniert mit einer schrägen Kostümschau. Am Klavier, als selbst ernannte Schokoladenseite, der Pianist, Komponist und Sänger Benny Hiller. Er beeindruckte mit tätowiertem Oberarm, kajal-feucht glänzenden Augen, musikalischem Können, stattlichem Tonumfang und viel Falsett, aber leider nicht mit Understatement: Seine penetrant zur Schau gestellte „Ich-bin-so-geil“-Haltung, die er hier auch in einem Lied besang, berührte unangenehm.<br /></span><span class="cf1 fs20 cb2 ff1"> Mit mehr Ausstrahlung und dem gewissen Niedlichkeitsfaktor punktete die Sonnenseite des Duos, die ehemalige Promi-Modedesignerin Monella Caspar: ein erstaunlich gut konservierter Giulietta-Masina-Typ mit der heliumgetränkten Stimme eines Oskar Matzerath, geschürzter Oberlippe, lustigen Hutkreationen und kokettem Gassengören-Charme.<br /><br /><b>Ein weiblicher Kobold</b><br />Caspar spricht wie eine Mischung aus Brigitte Mira und Ingrid Steeger und beherrscht sämtliche Baby-Doll-Posen; die Diva mochte man diesem weiblichen Kobold jedoch nicht recht abkaufen – ein erfrischend komischer Kontrast zu Hillers Überspanntheit. Beim Publikum kamen die schrillen SchwarzBlonden gut an. Wollte man den beiden etwas raten, dann das: Lasst dieses nervtötende Playback bitte nur dann laufen, wenn Hiller mal grad nicht selbst am Flügel hockt. Der Junge kann Klavier spielen, also was soll das ...? <i>kek</i> </span><span class="ff2 cf1 fs20 cb2"><br /></span></p></div>]]></description>
			<pubDate>Mon, 09 May 2011 18:26:03 GMT</pubDate>
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			<title><![CDATA[+ Grandios: Ody, Dunkel & Giloi]]></title>
			<author><![CDATA[kek]]></author>
			<category domain="https://www.diekleinetexterei.de/blog/index.php?category=Rezension"><![CDATA[Rezension]]></category>
			<category>imblog</category>
			<description><![CDATA[<div id="imBlogPost_62jt38zt"><p class="imTALeft"><span class="cb4 fs18 cf3 ff1"><i>Rezension, erschienen in der SZ, 9. Mai 2011</i></span><span class="cb2 fs18 cf3 ff1"><br /><br /></span><span class="fs20 cb2 cf3 ff1"><b>,,Reim und Raus'', ein Großereignis der Kleinkunst auf dem Theaterschiff</b><br />Saarbrücken. Großartig. Mehr möchte man eigentlich gar nicht sagen zu diesem im wahrsten Sinne des Wortes tierisch guten Liederabend und schlicht empfehlen: Hingehen, verquere Frühlingsgefühle entwickeln, Tränen lachen und heulen. Und sich fragen, wie dieser fabelhafte Ody alias Gregor Köhne es schafft, in seinen Gedichten mit rabenschwarzem Humor Köter und langweiliges Ehegespons um die Ecke zu bringen und gleichzeitig so wahrhaftig und anrührend von Liebe und vom Sterben zu reden, dass einem das Wasser im Auge steht.<br /><br /><b>Ein echter Glücksfall</b><br />Bei „Reim und Raus“, das am Samstag auf dem Theaterschiff Maria-Helena Premiere feierte, teilt er sich die Bühne mit Barbara Dunkel und Wolf Giloi – ein echter Glücksfall, eben weil das Ergebnis ihrer Zusammenarbeit unterschiedliche Emotionen weckt und dabei so völlig unprätentiös und gefühlsunduselig daherkommt. Dieser Abend hat alles: bitterböse Überraschungs-Pointen, unverkitschte Liebeslyrik und hemmungslos komische (Schüttel-)Reime, die ihren Autor als legitimen Nachfolger von Busch, Morgenstern, Ringelnatz und Erhardt ausweisen. Eine wunderbare Sängerin, die für jede Stimmung den richtigen Ton findet und ihr komödiantisches Talent ausspielen darf; grandios etwa Barbara Dunkels Kür als Eiskunstlauf-Reporterin. Einen klasse Pianisten, der mitalbert und Odys Poesie kongenial vertont hat. Und einen Dichter, der mit seiner trockenen Vortragsart jegliches Pathos im Keim erstickt. Grandios. Hingehen! <i>kek</i><br /><br />Freitag, 13. Mai, 20 Uhr, Theaterschiff Maria-Helena. Karten: Tel. (06 81) 6 58 17. </span><span class="ff2 fs20 cb2 cf3"><br /></span></p></div>]]></description>
			<pubDate>Mon, 09 May 2011 18:21:05 GMT</pubDate>
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